Zukunftswerkstatt in Regensburg
Re:Wir
Ein Begegnungsort von jungen Menschen für junge Menschen. Räume, Regeln und Angebote bestimmen die jungen Beteiligten maßgeblich selbst.
Baustelle eingerichtet: Auftakt im Frühjahr 2027
Worum es geht
Die Idee kommt nicht von Erwachsenen. Philipp Judex, Schülervertreter des Goethe-Gymnasiums Regensburg, hat sie an das Projektteam herangetragen – und plant seitdem selbst mit: einen gemeinsam gestalteten Ort für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, geöffnet auch für Begegnungen zwischen den Generationen.
Gedacht ist ein frei zugänglicher, ganzjährig nutzbarer Treffpunkt ohne Konsumzwang – für Spielen, Bewegung, Kultur, Rückzug, eigene Projekte und informelles Lernen. Studierende der Universität Regensburg können mitgestalten und begleiten.
Re:Wir ist ein Arbeitstitel. Den endgültigen Namen bestimmen die jungen Beteiligten mit.
Ein dritter Ort
Nach Ray Oldenburg ermöglichen dritte Orte Begegnung und Zugehörigkeit jenseits von Zuhause und Arbeit. Für junge Menschen wird die Schule als Alltagsort mitgedacht.
Wie hoch reicht die Beteiligung?
Roger Hart hat Beteiligung als Leiter beschrieben. Die unteren Sprossen sehen nach Beteiligung aus, sind aber keine. Erst darüber beginnt echte Teilhabe. Sprosse antippen, um sie zu lesen.
Manipulation
Kinder und Jugendliche werden für Anliegen Erwachsener eingesetzt, ohne zu verstehen, worum es geht.
Dekoration
Junge Menschen sind sichtbar dabei, etwa auf Fotos oder bei Veranstaltungen, haben aber keinen Einfluss auf das, was geschieht.
Alibi-Teilhabe
Junge Menschen dürfen scheinbar mitreden. Ihre Stimme bleibt aber ohne Folgen.
Zugewiesen, aber informiert
Erwachsene vergeben Rollen. Die jungen Menschen verstehen, worum es geht und warum sie beteiligt sind.
Gefragt und informiert
Erwachsene planen das Vorhaben, holen die Sicht der jungen Menschen ein und nehmen sie ernst.
Von Erwachsenen angestoßen, gemeinsam entschieden
Die Idee kommt von Erwachsenen, Entscheidungen werden mit den jungen Menschen geteilt.
Von jungen Menschen angestoßen und gesteuert
Junge Menschen entwickeln ein Vorhaben selbst und leiten es. Erwachsene halten sich im Hintergrund.
Von jungen Menschen angestoßen, gemeinsam mit Erwachsenen entschieden
Junge Menschen haben die Idee und holen Erwachsene als Partner*innen dazu.
Hier setzt Re:Wir an. Die Idee kam von Philipp Judex aus der Schülervertretung. Er gehört zum Planungsteam; die Erwachsenen begleiten, die jungen Beteiligten entscheiden mit.
Nach Hart, R. A. (1992). Children’s Participation: From Tokenism to Citizenship. UNICEF Innocenti Essays, 4. Deutsche Bezeichnungen sinngemäß.
Drei Bausteine der Beteiligung
In Anlehnung an Eikel (2007) verbindet das Vorhaben Mitsprache, Mitbestimmung und Mitgestaltung. Im Sinne einer Kultur der Partizipation werden Medien-, Demokratie- und kulturelle Bildung zusammengedacht.
Mitsprache
Eigene Bedürfnisse und Kritik einbringen, unterschiedliche Vorstellungen aushandeln. Zu jedem Vorschlag gibt es eine nachvollziehbare Rückmeldung.
Mitbestimmung
Über Nutzungsschwerpunkte, Regeln und ein vorab vereinbartes Gestaltungsbudget entscheiden – mit verbindlichen Entscheidungsrechten.
Mitgestaltung
Räume und Angebote selbst entwerfen, Prototypen bauen, Aktivitäten erproben und die Entwürfe gemeinsam weiterentwickeln.
Ein offen zusammengesetztes Kinder- und Jugendgremium soll den Prozess mitsteuern. Gemeinsam mit den Erwachsenen legt es fest, was entschieden werden kann und wo finanzielle oder rechtliche Grenzen liegen. Für Schutz, Aufsicht und verlässliche Begleitung bleiben die Erwachsenen verantwortlich – auf Grundlage eines gemeinsamen Schutzkonzepts, das auch für die digitale Plattform gilt.
Der Bauplan: eine Zukunftswerkstatt
Nach Jungk und Müllert, durchgeführt als offener Hackathon: Kleingruppen arbeiten intensiv nebeneinander an ihren Ideen und tauschen sich aus. Programmierkenntnisse oder eigene Geräte braucht es nicht. Analoge Treffen und eine moderierte digitale Plattform machen die Mitarbeit vor Ort und über längere Zeit möglich.
Schritt antippen, um ihn hervorzuheben.
- Kritikphase
Einladen und zuhören
Über Schulen aller Schularten, Jugendzentren, Hochschulen und Vereine werden unterschiedliche Gruppen erreicht. Zuerst klären junge Menschen, was ihnen fehlt.
- Phantasiephase
Ideen entwickeln
Wünsche sammeln, Nutzungsszenarien entwerfen, zeichnen und Modelle bauen – und digital weiterdenken:
- KI zur Visualisierung
- AR legt Entwürfe über reale Räume
- VR macht Entwürfe begehbar
- Verwirklichungsphase
Gemeinsam auswählen und erproben
Ideen nach gemeinsam vereinbarten Kriterien vergleichen. Fachleute aus Bau und Recht beraten zur Machbarkeit. Ausgewählte Entwürfe werden in temporären Räumen oder an Aktionstagen getestet.
- Werkstattphase
Weiterentwickeln und zurückmelden
Die Ergebnisse fließen in Raumprogramm, Betriebskonzept und Förderanträge. Jede priorisierte Idee erhält einen begründeten Umsetzungs- oder Prüfstatus.
Unabhängig vom Gebäude: Die Zukunftswerkstatt findet statt, ob zum Start ein fester Ort verfügbar ist oder nicht. Der digitale Entwurfsraum kann schon vorher entstehen.
Das Vorgehen knüpft an eine Projektwerkstatt an, in der Kinder und Studierende Stadträume erkunden und im Modell neu gestalten (Nickel 2019), sowie an KIGaR, wo Kinder gemeinsam mit Studierenden KI-gestützte Lernspiele entwickeln.
Erste Bausteine auf dem Tisch
Die ersten Raumideen von Philipp Judex eröffnen das Gespräch. Die Beteiligten können sie verändern, verwerfen und ergänzen. Tippe die Bausteine an, die dir wichtig sind, und sieh zu, wie dein Raum wächst.
Dieser Teil ist für euch: Welche Bausteine braucht euer Ort?
Dein Raum
0 von 6 Bausteinen gesetzt
Ein Vorgeschmack: Gespeichert wird hier nichts. Entschieden wird gemeinsam in der Zukunftswerkstatt.
Was ein solcher Ort bewirken soll
Das Vorhaben knüpft an Beschlüsse der Bayerischen und Deutschen Ärztetage an: freies und selbstbestimmtes Spiel, Bewegung, eine digitale Balance und Verhältnisprävention, also gesundheitsförderliche Lebensbedingungen.
Re:Wir soll Bedingungen schaffen, die Gemeinschaft und Wohlbefinden unterstützen. Ob das gelingt, untersucht die wissenschaftliche Begleitung. Die Beschlüsse begründen die Richtung – eine Wirkung dieses Projekts belegen sie noch nicht.
- Freies Spiel
- Bewegung
- Digitale Balance
- Gemeinschaft
- Zugehörigkeit
Bauzeitplan
- November 2026Kernteam trifft sichZiele, Rollen, Umfang der FörderungWir sind hier
- bis Februar 2027Werkstatt vorbereitenFormate, Zugänge, Schutzkonzept
- Frühjahr 2027Auftakt und Hackathongemeinsam mit jungen Menschen
- danachWerkstattphaseerproben, weiterentwickeln, verhandeln
Von Anfang an parallel: Gespräche mit Stiftungen, Unterstützer*innen, Fachleuten und der Stadt Regensburg. Die Zeitangaben sind Planungsgrößen; das Kernteam legt die Termine fest.
Das Bauteam
Vier Perspektiven kommen zusammen. Schulen, Hochschule und außerschulische Partner*innen arbeiten auf Augenhöhe.
Initiator, Schülervertretung Goethe-Gymnasium Regensburg
Philipp Judex
Hatte die Idee und gehört zum Planungsteam. Bringt die Jugendperspektive ein, spricht weitere junge Menschen an, etwa aus der evangelischen und katholischen Jugend, und gestaltet den Beteiligungsprozess mit.
Universität Regensburg, KuDiKuPa e. V.
Dr. Stefanie Nickel
Koordination, pädagogische Konzeption und wissenschaftliche Begleitung; Einbindung von Studierenden; Perspektive kultureller Bildung und einer Kultur der Partizipation.
MINT-Labs Regensburg e. V.
Sandra Guder
Koordination und operative Begleitung, Organisation der Werkstätten, Unterstützung digitaler Gestaltung. Die MINT-Labs bringen Medienbildung und Technik ein.
Kinder- und Jugendmedizin Regensburg, PaedNetz Oberpfalz
Dr. Guido Judex
Kinder- und jugendmedizinische Perspektive; Beratung zu gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen und Vernetzung.
Die Rollen beschreiben die geplante Zusammenarbeit. Institutionelle Vereinbarungen und eine spätere Trägerschaft werden noch ausgestaltet. Die Stadt Regensburg soll von Beginn an einbezogen werden.
Begleitforschung
Die wissenschaftliche Begleitung untersucht Zugang, Mitsprache, tatsächlichen Entscheidungseinfluss und Zugehörigkeit. Mitmachen geht auch ohne Forschungsteilnahme. Voraussetzung sind die informierte Einwilligung der jungen Menschen und bei Minderjährigen ihrer Sorgeberechtigten; ein Ethikvotum wird eingeholt.
Mitbauen
Wir laden Stiftungen, öffentliche und zivilgesellschaftliche Einrichtungen sowie fachliche Partner*innen ein, die erste Phase mit Räumen, Expertise oder Förderung zu unterstützen.
Kontakt aufnehmenFachliche Bezugspunkte
- Autenrieth, D., Autenrieth, N. & Nickel, S. (Hrsg.) (2023). (Virtuelle) Dritte Orte als Chance für eine nachhaltige Bildungslandschaft. München: kopaed.
- Autenrieth, D. & Nickel, S. (2020). Kultur der Digitalität = Kultur der Partizipation? Medienimpulse, 58(4).
- Bayerische Landesärztekammer (2024, 2025). Beschlüsse des 83. und 84. Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetages; Bundesärztekammer (2026). 130. Deutscher Ärztetag.
- Eikel, A. (2007). Demokratische Partizipation in der Schule. In A. Eikel & G. de Haan (Hrsg.), Demokratische Partizipation in der Schule. Schwalbach/Ts.: Wochenschau.
- Hart, R. A. (1992). Children’s Participation: From Tokenism to Citizenship. Florenz: UNICEF International Child Development Centre.
- Jungk, R. & Müllert, N. R. (1989). Zukunftswerkstätten. Mit Phantasie gegen Routine und Resignation. München: Heyne.
- Nickel, S. (2019). Die Grundschule von morgen – ein Raum voller Möglichkeiten?! In R. Baar, A. Feindt & S. Trostmann (Hrsg.), Struktur und Handlung in Lernwerkstätten (S. 224–233). Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
- Oldenburg, R. (1999). The Great Good Place. New York: Marlowe & Company.